Fundamentals of Piano Practice


Klavier spielen

- Grundlagen, Übungen, Praxistips -
von Chuan C. Chang (2. Ausgabe)
Übersetzung: Edgar Lins

Letzte Änderung: 6. Februar 2006


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Im Text verwendete Abkürzungen und Farben


(Kapitel 1: Klaviertechnik)

(II. Grundlegende Verfahren des Klavierübens)


10. Freier Fall, Akkord-Übung und Entspannung

Das Spielen von exakten Akkorden zu üben ist der erste Schritt in der Anwendung des Akkord-Anschlags. Lassen Sie uns den obigen CEG-Akkord üben. Die Armgewichtsmethode ist der beste Weg, Genauigkeit und Entspannung zu erreichen; dieser Ansatz wurde ausreichend in den angegebenen Quellen behandelt (Fink, Sandor) und wird deshalb hier nur kurz angesprochen. Setzen Sie Ihre Finger auf die Tasten, und positionieren Sie sie korrekt. Entspannen sie Ihren Arm (eigentlich den ganzen Körper), halten Sie Ihr Handgelenk flexibel, heben Sie die Hand 5 bis 20 cm über die Tasten (am Anfang die kürzere Entfernung), und lassen Sie Ihre Hand einfach frei fallen. Lassen Sie die Hand und die Finger als eine Einheit fallen, bewegen Sie nicht die Finger. Entspannen Sie die Hände völlig während des Fallens, dann "plazieren" Sie die Finger und das Handgelenk im Moment des Aufpralls auf den Tasten und beugen Sie das Handgelenk ein wenig, um den Stoß des Aufpralls zu mindern und die Tasten niederzudrücken. Indem Sie die Schwerkraft Ihre Hand absenken lassen, überantworten Sie Ihre Stärke oder Empfindlichkeit einer sehr konstanten Kraft.

Es mag zunächst unglaublich erscheinen, aber ein untergewichtiger Sechsjähriger und ein gigantischer Sumoringer, die ihre Hände aus derselben Höhe fallen lassen, werden einen Ton mit der gleichen Lautstärke erzeugen. Dies geschieht, weil die Geschwindigkeit des Freien Falls unabhängig von der Masse ist und der Hammer in freien Fall übergeht, sobald die Hammernuß die Stoßzunge verläßt (die letzten paar Millimeter bevor er die Saiten trifft). Physikstudenten werden bemerken, daß bei einem elastischen Stoß (Kollision von Billardkugeln) die kinetische Energie erhalten bleibt und das oben Gesagte nicht gilt. Bei einem solchen elastischen Stoß würde sich die Taste mit hoher Geschwindigkeit von der Fingerkuppe wegbewegen, in etwa wie beim Staccato. Hier wird aber, weil die Finger entspannt und die Fingerkuppen weich sind (inelastischer Stoß), die kinetische Energie nicht erhalten und die kleine Masse (Klaviertaste) kann bei der größeren Masse (Finger, Hand und Arm) bleiben, was zu einem kontrollierten Anschlag führt. Deshalb gilt das oben Gesagte, vorausgesetzt, daß die Klaviermechanik korrekt eingestellt ist und die effektive Masse für den Anschlag viel kleiner ist als die Gesamtmasse von Fingern, Hand und Arm des Sechsjährigen. Eine Versteifung der Hand beim Aufprall der Finger auf die Tasten gewährleistet eine Übertragung des gesamten Armgewichts beim Anschlag. Offensichtlich läßt sich der volle Ton des Freien Falls nur durch eine Versteifung der Hand während des Aufpralls erreichen. Es ist wichtig, daß man bei dieser Versteifung keine zusätzliche Kraft ausübt; deshalb benötigt man Übung, um einen reinen Freien Fall ausführen zu können, und die Ausführung wird mit größerer Fallhöhe immer schwieriger. Die Vermeidung dieser zusätzlichen Kraft ist für den Sumoringer schwieriger, da er eine größere Kraft benötigt, um seinen Arm abzubremsen. Die besten Kriterien dafür, wie steif die Hand gemacht werden muß, sind der Klang und die Lautstärke des Tons.

Genaugenommen wird der Sumoringer wegen der Impulserhaltung einen etwas lauteren Ton erzeugen, aber der Unterschied wird trotz der Tatsache, daß sein Arm vielleicht 20mal schwerer ist, sehr gering sein. Eine weitere Überraschung ist, daß der Anschlag mit Freiem Fall, wenn er erst einmal richtig gelernt ist, den lautesten Ton erzeugt, den dieses Kind jemals gespielt hat (bei einem hohen Fall), und daß er eine hervorragende Art ist, junge Schüler zu lehren, wie man fest spielt. Fangen Sie bei jungen Schülern mit kurzen Fällen an, weil am Anfang ein wirklicher Freier Fall schmerzhaft sein kann, wenn die Höhe zu groß ist. Für einen erfolgreichen Freien Fall ist es wichtig, insbesondere bei jungen Schülern, ihnen beizubringen, daß sie so tun, als ob kein Klavier da sei und die Hand durch die Tastatur hindurchfallen soll (aber durch das Klavier gestoppt wird). Sonst werden viele junge Schüler unbewußt die Hand anheben, wenn sie auf dem Klavier landet. Mit anderen Worten: Der Freie Fall ist eine konstante Beschleunigung, und die Hand beschleunigt sogar noch während die Tasten gedrückt werden. Am Ende ruht die Hand mit ihrem eigenen Gewicht auf den Tasten - dieser Vorgang erzeugt einen angenehmen, tiefen Klang. Beachten Sie, daß es für diesen Anschlag wichtig ist, den ganzen Weg abwärts zu beschleunigen - s. Abschnitt III.1 über das Erzeugen eines guten Klangs.

Die bekannte "Beschleunigte Mechanik" von Steinway funktioniert, weil sie der Hammerbewegung durch eine abgerundete Stütze unter der Buchse in der Tastenmitte eine Beschleunigung hinzufügt. Die Buchse verschiebt den Drehpunkt mit dem Niederdrücken der Taste nach vorne, verkürzt somit die vordere Seite der Taste und verlängert die hintere Seite und bewirkt dadurch eine Beschleunigung der Pilote bei einem konstanten Niederdrücken. Dies veranschaulicht die Bedeutung, die Klavierdesigner der Beschleunigung des Tastendrucks beimessen, und die Armgewichtsmethode stellt sicher, daß wir den vollen Nutzen aus der Gravitationsbeschleunigung ziehen, um den Klang zu kontrollieren. Die Wirksamkeit der Beschleunigten Mechanik wird kontrovers diskutiert, weil es exzellente Klaviere ohne dieses Merkmal gibt. Offensichtlich ist es wichtiger, daß der Pianist diese Beschleunigung kontrollieren kann.

Die Finger müssen im Moment des Aufpralls "gesetzt" werden, um die Tasten herunterzudrücken und den Fall zu bremsen. Dies erfordert eine kurze Kraftanwendung auf die Finger. Lassen Sie diese Kraft weg und entspannen Sie völlig, sobald die Tasten den unteren Punkt der Bewegung erreichen, so daß Sie fühlen können, wie die Schwerkraft Ihren Arm nach unten zieht. Lassen Sie die Hand auf den Tasten ruhen, so daß nur die Schwerkraft die Tasten unten hält. Sie haben soeben erreicht, daß Sie die Tasten mit der geringstmöglichen Anstrengung niederdrücken; das ist das Wesentliche der Entspannung.

Anfänger werden die Akkorde mit zu vielen unnötigen Kräften spielen, die nicht genau kontrolliert werden können. Die Benutzung der Schwerkraft zum Senken der Hand erlaubt Ihnen, alle Kräfte oder Spannungen in der Hand zu eliminieren, welche die Ursachen dafür sind, daß bestimmte Finger vor den anderen landen. Es mag wie ein merkwürdiger Zufall erscheinen, daß die Schwerkraft die richtige Kraft ist, um Klavier zu spielen. Das ist kein Zufall. Die Menschen haben sich unter dem Einfluß der Schwerkraft entwickelt. Unsere Kräfte zum Gehen, Heben usw. entwickelten sich, um genau zur Schwerkraft zu passen. Das Klavier wurde natürlich so gebaut, daß es zu diesen Kräften paßt. Erinnern Sie sich: Das Maß der Kraft, das Sie benötigen, um den Akkord zu spielen, ist ungefähr gleich dem, das von der Schwerkraft zur Verfügung gestellt wird. Hämmern Sie die Akkorde nicht oder verspannen die Hände - vieles wird sonst außer Kontrolle geraten! Für Anfänger oder diejenigen, die die Angewohnheit entwickelt haben, die Hände anzuspannen, um die Akkorde zu spielen, ist es eine gute Idee, den Freien Fall mehrere Wochen, oder sogar Monate, bei jedem Üben ein wenig zu trainieren. Und natürlich muß er fester Bestandteil des alltäglichen Übens und Spielens werden. D.h., wenn Sie wirklich entspannt sind, können Sie die Wirkung der Schwerkraft auf Ihre Hände richtig fühlen, wenn Sie spielen. Einige Lehrer werden die Entspannung bis zu dem Punkt, an dem alles andere vernachlässigt wird, betonen, bis die "totale" Entspannung erreicht ist; das könnte zu weit gehen - in der Lage zu sein, die Schwerkraft zu fühlen, ist ein notwendiges und ausreichendes Kriterium für die Entspannung.

Der Freie Fall beseitigt auch die Notwendigkeit des Impulsausgleichs (s. Abschnitt IV.6). Wenn die Hand das Klavier spielt, wird der abwärts gerichtete Impuls der Taste von der Hand geliefert. Wenn der Freie Fall nicht benutzt wird, muß dieser abwärts gerichtete Impuls vom Rest des menschlichen Spielmechanismus kompensiert werden, der dann einen aufwärts gerichteten Impuls beisteuern muß. Obwohl wir alle dies ohne daran zu denken vollbringen, ist es in Wirklichkeit eine komplexe Meisterleistung. Beim Freien Fall wird dieser Impuls von der Schwerkraft zur Verfügung gestellt, so daß das Klavier mit dem absolut minimalen Aufwand des menschlichen Spielmechanismus gespielt wird. Auf diese Weise versetzt uns der Freie Fall in die Lage, all die unnötigen Muskeln zu entspannen und uns nur auf jene zu konzentrieren, die notwendig sind, um den Akkord zu kontrollieren.

Der Freie Fall ist deshalb viel mehr als nur eine Methode, um Akkorde zu üben. Was viel wichtiger ist: Der Freie Fall ist eine Methode, um Entspannung zu üben. Wenn dieser entspannte Zustand erst einmal erreicht ist, muß er ein permanenter Bestandteil Ihres Klavierspiels werden. Das führende Prinzip in der Armgewichtsmethode ist die Entspannung. Zusätzlich zum Freien Fall ist es wichtig, den Effekt der Schwerkraft fühlen zu lernen, während wir spielen. Wir werden die Entspannung im folgenden detaillierter behandeln.

Das Spielen von Akkorden ist eine wichtige Komponente der Klaviertechnik. Als solche muß Sie schrittweise im Einklang mit Ihrer allgemeinen Spielstärke entwickelt werden. Es gibt keinen schnelleren Weg, dies zu tun, als die Benutzung der parallelen Sets, die im folgenden beschrieben werden. Sehen Sie auch Abschnitt III.7 für weitere Details; Abschnitt III.7e gibt zusätzliche Anweisungen darüber, wie man gleichmäßige Akkorde spielen kann, wenn der Freie Fall das Problem nicht löst.


11. Parallele Sets

Nun, da der LH CEG-Akkord zufriedenstellend ist, wechseln Sie (oder versuchen es) mit mehreren unterschiedlichen Spring-Frequenzen plötzlich vom Akkord zum Quadrupel. Sie werden nun die Finger bewegen müssen, beschränken Sie die Fingerbewegungen aber auf ein Minimum. Hier werden Sie wieder die richtigen Hand- und Armbewegungen einbauen müssen (s. Fink, Sandor), aber das ist ein Thema für Fortgeschrittene, lassen Sie uns deshalb ein wenig zurückstecken. Sie werden in der Lage sein, schnell zu wechseln, nachdem Sie diese Methode beherrschen, aber lassen Sie uns annehmen, daß Sie es nicht können, damit wir eine mächtige Methode zum Lösen dieses weitverbreiteten Problemtyps zeigen können.

Die grundlegendste Art zu lernen, wie man eine schwierige Passage spielt, ist, sie mit jeweils zwei Noten aufzubauen und dabei den Akkord-Anschlag zu benutzen. In unserem (LH) CGEG-Beispiel fangen wir mit den ersten beiden Noten an. Ein zweinotiger Akkord-Anschlag! Spielen Sie diese zwei Noten als perfekten Akkord; lassen Sie Ihre Hand und Finger (5 und 1) auf und ab springen, wie Sie es bereits beim CEG-Akkord getan haben. Um diese zwei Noten schnell nacheinander zu spielen, senken Sie beide Finger zusammen aber halten Sie Finger 1 etwas oberhalb von 5, so daß die 5 zuerst landet. Es ist nur ein schneller zweinotiger rollender Akkord. Da Sie beide Finger gleichzeitig nach unten bringen und nur einen leicht verzögern, können Sie sie so kurz hintereinander spielen wie Sie möchten, indem Sie die Verzögerung verringern. So verlangsamt man von unendlicher Geschwindigkeit!

Ist es auf diese Art möglich, jede Kombination von Noten unendlich schnell zu spielen? Natürlich nicht. Wie wissen wir, welche wir unendlich schnell spielen können und welche nicht? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir das Konzept des parallelen Spielens einführen. Die obige Methode, die Finger zusammen zu senken, wird paralleles Spielen genannt, weil die Finger gleichzeitig gesenkt werden, also parallel. Ein paralleles Set ist eine Gruppe von Noten, die als Akkord gespielt werden können. Alle parallelen Sets können unendlich schnell gespielt werden. Die Verzögerung zwischen aufeinander folgenden Fingern wird Phasenwinkel genannt. In einem Akkord ist der Phasenwinkel für alle Finger Null. Diese und verwandte Konzepte werden in Abschnitt IV.2 systematischer behandelt. Die höchste Geschwindigkeit wird durch die Reduzierung der Phase auf den kleinsten kontrollierbaren Wert erreicht. Dieser kleinste Wert ist ungefähr gleich dem Fehler in Ihrem Akkordspiel. Mit anderen Worten: Je genauer Ihre Akkorde sind, desto schneller wird Ihre maximal erreichbare Geschwindigkeit sein. Deshalb wurde oben soviel Platz zur Beschreibung verwandt, wie man perfekte Akkorde übt.

Haben Sie erst einmal das CG gemeistert, können Sie mit dem nächsten - GE (1,3) - fortfahren, dann EG und schließlich das GC, um das Quadrupel und die Verbindung zu vervollständigen. Verbinden Sie sie dann paarweise usw., um das Quadrupel zu vervollständigen. Beachten Sie, daß CGE auch ein paralleles Set ist. Deshalb kann das Quadrupel plus die Verbindung aus den parallelen Sets (5,1,3) und (3,1,5) gebildet werden. Das ist ein schnellerer Weg. Die allgemeine Regel für die Anwendung der parallelen Sets ist: Konstruieren Sie das Übungssegment, indem Sie die größtmöglichen parallelen Sets benutzen, die zum Fingersatz passen. Unterteilen Sie diese nur in kleinere parallele Sets, wenn das große parallele Set zu schwierig ist. Wenn Sie Schwierigkeiten mit einem bestimmten parallelen Set haben, lesen Sie Abschnitt III.7 über Übungen für parallele Sets. Obwohl parallele Sets theoretisch unendlich schnell gespielt werden können, ist nicht garantiert, daß Sie dieses bestimmte parallele Set mit genügender Geschwindigkeit und Kontrolle spielen können. Sie können es nur spielen, wenn Sie die Technik haben. Deshalb können parallele Sets benutzt werden, um Ihre Schwächen genau zu bestimmen. Abschnitt III.7 behandelt die Einzelheiten, wie man übt, parallele Sets zu spielen, und wie man sich durch Ihren Gebrauch schnell die Technik aneignet.

Nachdem Sie ein Quadrupel gut spielen können, üben Sie, zwei hintereinander zu spielen, bis Sie das bequem können, dann drei usw. Sie werden bald in der Lage sein, so viele hintereinander zu spielen, wie Sie möchten! Wenn Sie am Anfang den Akkord "gesprungen" haben, hat sich die Hand auf und ab bewegt. Aber am Schluß, wenn Sie die Quadrupel in schneller Folge spielen, ist die Hand ziemlich stationär aber nicht starr. Sie werden auch Handbewegungen hinzufügen müssen - dazu später mehr.

Der zweite schwierige Abschnitt in "Für Elise" endet mit einem Arpeggio, das aus drei parallelen Sets aufgebaut ist: 123, 135 und 432. Üben Sie zunächst jedes parallele Set einzeln, fügen Sie dann die Verbindung hinzu, verbinden Sie sie dann paarweise usw., um das Arpeggio aufzubauen.

Wir haben nun die notwendige Terminologie und können die Prozedur für den Gebrauch des Akkord-Anschlags zum Überwinden von Geschwindigkeitsbarrieren zusammenfassen (s. Abschnitte IV.1 und IV.2 zur Behandlung von Geschwindigkeitsbarrieren). Unterteilen Sie den Ausschnitt in parallele Sets, wenden Sie auf diese Sets den Akkord-Anschlag an, und verbinden Sie die parallelen Sets, um den Ausschnitt zu vervollständigen. Wenn Sie keines der notwendigen parallelen Sets mit nahezu unendlicher Geschwindigkeit spielen können, brauchen Sie die Übungen für parallele Sets in Abschnitt III.7. Puh! Wir sind fertig mit den Geschwindigkeitsbarrieren!

Damit der Ausschnitt flüssig und musikalisch klingt, müssen wir zwei Dinge vollbringen:

  1. die Phasenwinkel genau kontrollieren, und
  2. die parallelen Sets flüssig verbinden.

Die meisten der in den Quellen beschriebenen Finger-, Hand- und Armbewegungen zielen darauf ab, diese beiden Aufgaben am geschicktesten zu bewältigen. Das ist die direkteste Verbindung zwischen dem Konzept der parallelen Sets und den Quellen. Da jene Themen hinreichend von den Quellen abgedeckt werden, werden sie hier nur kurz in Abschnitt III.4 behandelt. Deshalb sind jene Quellen notwendige Begleiter dieses Buchs. Das hier gebotene Material ist ein Anfang; das Material in den Quellen ist notwendig, um Sie auf die nächste Stufe der Fertigkeiten und des musikalischen Könnens zu bringen. Um Ihnen bei der Entscheidung zu helfen, welche der Quellen Sie benutzen sollten, habe ich im Quellenverzeichnis einige davon (sehr kurz) beschrieben. Wenn Sie die Geschwindigkeit der parallelen Sets erhöhen, experimentieren Sie mit der Drehung der Hand, der Bewegung des Handgelenks nach oben und unten (im allgemeinen senken Sie das Handgelenk, wenn Sie mit dem Daumen spielen und heben Sie es, wenn Sie zum kleinen Finger kommen), Pronation, Supination, Zyklusbewegung, Stoß, Zug usw. Diese werden detailliert in den Quellen und kurz in Abschnitt III.4 behandelt. [Pronation und Supination sind die Ein- bzw. Auswärtsdrehung des Unterarms, also von Elle und Speiche im Ellenbogengelenk]

Sie werden Abschnitt III.7c lesen müssen, damit Sie wissen, wie man parallele Sets benutzt, um sich die Technik schnell anzueignen. Die obige Einführung in das parallele Spielen ist nur eine verkürzte Beschreibung und ist sogar etwas irreführend. Das oben beschriebene parallele Spiel ist das, was man "phasengekoppeltes" paralleles Spielen nennt und ist der einfachste Weg anzufangen aber nicht Ihr endgültiges Ziel. Um sich die Technik anzueignen, brauchen sie eine vollständige Unabhängigkeit der Finger, keine phasengekoppelten Finger. Vollständig unabhängiges, fingerweises Spielen wird serielles Spielen genannt. Unser Ziel ist deshalb schnelles serielles Spielen. In der intuitiven Methode nehmen Sie ein langsames serielles Spielen und versuchen, die Geschwindigkeit zu steigern. Paralleles Spielen ist kein Ziel in sich selbst, aber es ist der schnellste Weg zu schnellem seriellen Spielen. Diese Themen werden im Abschnitt über Übungen für parallele Sets behandelt. Die Idee hinter diesen Übungen ist, zunächst zu testen, ob sie "unendlich schnell" spielen können - Sie werden überrascht sein, wenn Sie herausfinden, daß Sie das nicht immer können, sogar mit zwei Noten. Danach geben Ihnen die Übungen die Möglichkeit, nur die Sets zu üben, die Sie für diese Technik brauchen. Sie erwerben die Technik, wenn Sie die parallelen Sets mit Kontrolle über jede Note und mit jeder Geschwindigkeit spielen können.

Natürlich garantiert gutes paralleles Spielen alleine nicht das korrekte Spielen. Es führt nur schneller dazu, weil es Sie mindestens zur vorgegebenen Geschwindigkeit bringt, so daß Sie weniger Schritte brauchen, um zu den korrekten Bewegungen zu gelangen. D.h. selbst mit erfolgreichem parallelen Spielen werden Sie eine Menge weiterer Experimente benötigen, um in der Lage zu sein, den ganzen Abschnitt zu bewältigen. Weil die hier beschriebene Methode Ihnen hunderte von Versuchen innerhalb von Minuten gestattet, können diese Experimente relativ schnell ausgeführt werden. Wenn Sie die "Takt-für-Takt"-Methode anwenden, wird jeder Takt mit hoher Geschwindigkeit weniger als eine Sekunde benötigen, so daß Sie ihn in 5 Minuten 300mal üben können!

Deshalb ist es wichtig, einen guten Lehrer zu haben, weil er Sie schnell zu den richtigen Bewegungen führen und Ihnen die meisten Experimente ersparen kann. Einen Lehrer zu haben bedeutet aber nicht, daß Sie aufhören zu experimentieren, sondern daß das Experimentieren effizienter sein wird. Experimentieren sollte ein konstanter Teil jeder Übungsroutine sein. Das ist ein weiterer Grund, warum HS-Üben so wertvoll ist - Experimentieren ist mit HS schwer genug, mit HT ist es praktisch unmöglich!

Paralleles Spielen löst nicht alle Probleme; es löst hauptsächlich Probleme mit Material, das Läufe, Arpeggios und gebrochene Akkorde enthält. Eine weitere bedeutende Klasse von Problemen sind Sprünge. Sehen Sie dazu Abschnitt III.7f.


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