Fundamentals of Piano Practice


Klavier spielen

- Grundlagen, Übungen, Praxistips -
von Chuan C. Chang (2. Ausgabe)
Übersetzung: Edgar Lins

Letzte Änderung: 22. Mai 2006


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Im Text verwendete Abkürzungen und Farben


(Kapitel 1: Klaviertechnik)


(III. Ausgewählte Themen des Klavierübens)


2. Zyklisch spielen (Chopins Fantaisie Impromptu, Op. 66)

Zirkulieren ist die beste Technik aufbauende Prozedur für neue oder schnelle Passagen, die Sie nicht beherrschen. Zirkulieren (auch "schleifen" genannt) bedeutet, einen Abschnitt zu nehmen und diesen wiederholt, üblicherweise fortlaufend und ohne Pausen, zu spielen. Wenn die Verbindung, die für das fortlaufende Zirkulieren notwendig ist, die gleiche ist wie die erste Note des Abschnitts, dann zirkuliert dieser Abschnitt "natürlich"; er wird ein selbst-zirkulierender Abschnitt genannt. Ein Beispiel ist das CGEG-Quadrupel. Wenn die Verbindung abweicht, müssen Sie eine erfinden, die zur ersten Note hinführt, so daß Sie ohne Pausen zirkulieren können.

Zirkulieren ist im Grunde reine Wiederholung, aber es ist wichtig, sie fast als eine Anti-Wiederholungs-Prozedur zu benutzen, als einen Weg, stupides Wiederholen zu vermeiden. Die Idee hinter dem Zirkulieren ist, daß man die Technik so schnell erwirbt, daß es unnötiges stupides Wiederholen ausschließt. Ändern Sie die Geschwindigkeit und experimentieren Sie mit verschiedenen Hand-, Arm- bzw. Fingerpositionen für ein optimales Spielen, um zu vermeiden, daß Sie schlechte Angewohnheiten annehmen, und achten Sie immer auf die Entspannung; versuchen Sie, das exakt gleiche nicht zu oft zu wiederholen. Spielen Sie leise (auch laute Abschnitte), bis Sie die Technik erlangt haben, gehen Sie bis zu Geschwindigkeiten von mindestens 20% über der vorgegebenen Geschwindigkeit und wenn möglich bis zur doppelten Geschwindigkeit. Mehr als 90% Ihrer Zirkulierzeit sollten Sie mit Geschwindigkeiten spielen, die Sie bequem und genau handhaben können. Zirkulieren Sie dann schrittweise langsamer bis zu sehr langsamen Geschwindigkeiten. Sie sind fertig, wenn Sie bei jeder Geschwindigkeit, für beliebig lange Zeit, ohne auf die Hand zu sehen, völlig entspannt und mit voller Kontrolle spielen können. Es könnte sein, daß Ihnen bestimmte Geschwindigkeiten Schwierigkeiten bereiten. Üben Sie diese Geschwindigkeiten, weil diese eventuell gebraucht werden, wenn Sie mit dem HT-Spielen anfangen. Stellen Sie bei Abschnitten mit Akkorden oder Sprüngen sicher, daß Sie ohne auf die Hand zu sehen zirkulieren können. Üben Sie ohne das Pedal (teilweise um die schlechte Angewohnheit zu vermeiden, die Taste während des Anschlags nicht ganz herunterzudrücken), bis die Technik erworben ist. Wechseln Sie oft die Hände, um Verletzungen zu vermeiden.

Wenn eine Technik 10.000 Wiederholungen erfordert (eine typische Erfordernis für wirklich schwieriges Material), erlaubt Ihnen das Zirkulieren, diese in der kürzest möglichen Zeit auszuführen. Typische Zykluszeiten liegen bei 1 Sekunde, so daß man für 10.000 Zyklen weniger als 4 Stunden benötigt. Wenn Sie diesen Abschnitt täglich 10 Minuten, an 5 Tagen die Woche, zirkulieren, werden 10.000 Zyklen fast einen Monat dauern. Natürlich dauert es Monate, sehr schwieriges Material zu lernen, wenn man die besten Methoden benutzt, und viel länger, wenn man weniger effiziente Methoden benutzt.

Zirkulieren ist potentiell die verletzungsgefährdendste Prozedur beim Klavierüben; seien Sie deshalb bitte vorsichtig. Übertreiben Sie es nicht am ersten Tag und schauen Sie, was am nächsten Tag geschieht. Wenn Ihnen am nächsten Tag nichts weh tut, können Sie mit dem Zirkuliertraining weitermachen bzw. es steigern. Arbeiten Sie beim Zirkulieren vor allem immer an zwei Sachen gleichzeitig, einer für die RH und einer anderen für die LH, so daß Sie die Hände oft abwechseln können. Bei jungen Menschen kann zuviel zu zirkulieren zu Schmerzen führen; hören Sie in diesem Fall mit dem Zirkulieren auf, und die Hand sollte sich innerhalb weniger Tage erholen. Bei älteren Menschen kann zuviel zu zirkulieren Ausbrüche von Arthrose verursachen, bei denen es Monate dauern kann, bis sie abklingen.

Lassen Sie uns das Zirkulieren auf Chopins FI anwenden: das LH Arpeggio, Takt 5. Die ersten sechs Noten zirkulieren in sich selbst, sie können es also mit diesen versuchen. Als ich es das erste Mal versucht habe, war die Streckung für meine kleinen Hände zu groß, so daß ich zu schnell müde wurde. Ich zirkulierte deshalb die ersten 12 Noten. Die leichteren zweiten sechs Noten erlaubten es meinen Händen, sich ein wenig zu erholen, und ich konnte so den Abschnitt aus 12 Noten länger und mit höherer Geschwindigkeit spielen. Wenn Sie natürlich die Geschwindigkeit wirklich steigern möchten (für die LH nicht notwendig, könnte aber in diesem Stück für die RH nützlich sein), zirkulieren Sie nur das erste parallele Set (die ersten drei oder vier Noten für die LH).

Daß man den ersten Abschnitt spielen kann, bedeutet nicht, daß man nun all die anderen Arpeggios spielen kann. Sie werden sogar für die gleichen Noten eine Oktave tiefer praktisch bei Null anfangen müssen. Natürlich wird das zweite Arpeggio einfacher sein, wenn man das erste gemeistert hat, aber Sie werden überrascht darüber sein, wieviel Arbeit es bei den Wiederholungen erfordert, wenn sich nur ein klein wenig in dem Abschnitt ändert. Das geschieht, weil es so viele Muskeln in Ihrem Körper gibt, daß Ihr Gehirn verschiedene Gruppen auswählen kann, um Bewegungen zu erzeugen, die nur ganz leicht anders sind (und es macht es üblicherweise). Anders als ein Roboter haben Sie wenig Einfluß darauf, welche Muskeln sich Ihr Gehirn aussucht. Nur wenn Sie eine sehr große Zahl von solchen Arpeggios gespielt haben, fällt Ihnen das nächste leicht. Deshalb sollten Sie davon ausgehen, daß Sie einige Arpeggios zirkulieren müssen.

Damit man versteht, wie dieses Stück von Chopin zu spielen ist, ist es hilfreich, die mathematische Grundlage des Teils der Komposition mit dem "3 gegen 4"-Timing zu analysieren. Die RH spielt sehr schnell, sagen wir (ungefähr) 4 Noten je halber Sekunde. Gleichzeitig spielt die LH mit einer langsameren Geschwindigkeit, 3 Noten je halber Sekunde. Wenn alle Noten sehr genau gespielt werden, hört das Publikum eine Notenfrequenz von 12 Noten je halber Sekunde, weil diese Frequenz dem kleinsten Zeitintervall zwischen Noten entspricht. D.h., wenn Ihre RH so schnell spielt wie sie kann, dann hat Chopin es erreicht, dieses Stück durch das Hinzufügen des LANGSAMEREN Spielens mit der LH auf Ihre 3-fache Maximalgeschwindigkeit zu bringen!

Aber warten Sie, nicht alle der 12 Noten sind vorhanden; es sind in Wirklichkeit nur 7, 5 Noten fehlen also. Diese fehlenden Noten erzeugen was man ein Moiré-Muster nennt, welches ein drittes Muster ist, das auftaucht, wenn zwei nicht vergleichbare Muster überlagert werden. Dieses Muster erzeugt einen wellenartigen Effekt innerhalb jedes Takts und Chopin verstärkte diesen Effekt, indem er ein LH-Arpeggio benutzte, das synchron mit dem Moiré-Muster aufsteigt und fällt wie eine Welle. Die Beschleunigung um einen Faktor von 3 und das Moiré-Muster sind rätselhafte Effekte, die sich beim Publikum einschleichen, weil dieses keine Ahnung hat, was sie erzeugt hat oder daß sie überhaupt existieren. Mechanismen, die das Publikum ohne sein Wissen beeinflussen, erzeugen oft dramatischere Effekte als jene, die offensichtlich sind (wie z.B. laut, legato oder rubato). Die großen Komponisten haben eine unglaubliche Anzahl dieser versteckten Mechanismen erfunden, und eine mathematische Analyse ist oftmals der leichteste Weg, sie hervorzukitzeln. Chopin dachte wahrscheinlich nie in Begriffen wie nicht vergleichbaren Gruppen und Moiré-Mustern; er hat diese Konzepte allein auf Grund seiner Genialität intuitiv verstanden.

Es ist aufschlußreich, über den Grund für die fehlende erste Note des Taktes (5) für die RH zu spekulieren, denn wenn wir den Grund ermitteln können, werden wir genau wissen, wie man ihn spielen muß. Beachten Sie, daß dies direkt am Anfang der RH-Melodie auftritt. Am Anfang einer Melodie oder musikalischen Phrase stoßen Komponisten immer auf zwei gegensätzliche Erfordernisse: eines ist, daß die Phrase (im allgemeinen) leise anfangen sollte, und das zweite ist, daß die erste Note des Taktes ein Abschlag ist und betont sein sollte. Der Komponist kann geschickt beiden Erfordernissen genügen, indem er die erste Note eliminiert und so den Rhythmus bewahrt und doch leise anfängt (in diesem Fall kein Ton)! Sie werden keine Schwierigkeiten haben, zahlreiche Beispiele dieses Mittels zu finden - sehen Sie dazu Bachs Inventionen. Ein weiteres Mittel ist, die Phrase am Ende eines unvollständigen Takts beginnen zu lassen, so daß der erste Abschlag des ersten vollständigen Takts kommt, nachdem ein paar Noten gespielt sind (ein klassisches Beispiel dafür ist der Anfang des ersten Satzes von Beethovens Appassionata). Das bedeutet, daß die erste Note der RH in diesem Takt von Chopins FI leise sein muß und die zweite Note lauter als die erste, um den Rhythmus streng aufrechtzuerhalten (ein weiteres Beispiel der Wichtigkeit des Rhythmus!). Wir sind nicht gewohnt, auf diese Art zu spielen; normalerweise spielen wir so, daß wir mit der ersten Note als Abschlag beginnen. Es ist in diesem Fall wegen der Geschwindigkeit besonders schwierig; deshalb benötigt dieser Anfang eventuell zusätzliches Üben.

Diese Komposition beginnt damit, daß sie das Publikum schrittweise wie eine unwiderstehliche Einladung mit der lauten Oktave in den ersten beiden Takten, gefolgt von dem rhythmischen Arpeggio im unteren Notensystem, in ihren Rhythmus zieht. Die fehlende Note im fünften Takt wird nach einigen Wiederholungen wiederhergestellt und somit die Moiré-Wiederholungsfrequenz und der effektive Rhythmus verdoppelt. Im zweiten Thema (Takt 13) wird die fließende Melodie der RH durch zwei gebrochene Akkorde ersetzt und somit der Eindruck einer Vervierfachung des Rhythmus erzeugt. Diese "rhythmische Beschleunigung" gipfelt in dem Forte-Höhepunkt der Takte 19 und 20. Das Publikum kann dann wegen der "Besänftigung" des Rhythmus durch die verzögerte melodische RH-Note (des kleinen Fingers) und durch das schrittweise Leiserwerden der RH, das durch das diminiuendo bis zum pp verwirklicht wird, Atem holen. Der ganze Zyklus wird dann wiederholt, dieses Mal mit zusätzlichen Elementen, die den Höhepunkt verstärken, bis er in den absteigenden donnernden gebrochenen Akkorden endet. Um diesen Teil zu üben, kann jeder gebrochene Akkord einzeln zirkuliert werden. Diesen Akkorden fehlt das "3,4"-Konstrukt. Sie bringen Sie aus der rätselhaften "3,4"-Unterwelt zurück und bereiten Sie auf den langsamen Abschnitt vor.

Wie bei den meisten Stücken von Chopin, gibt es für dieses Stück kein "korrektes" Tempo. Wenn man jedoch schneller als ungefähr 2 Sekunden je Takt spielt, neigt der "3x4"-Multiplikationseffekt dazu, zu verschwinden, und man hat üblicherweise nur noch hauptsächlich das Moiré und andere Effekte. Das ist teilweise wegen der abnehmenden Genauigkeit mit zunehmender Geschwindigkeit so, aber wichtiger noch, weil die zwölffache Geschwindigkeit zu schnell für das Ohr wird, um ihr zu folgen. Oberhalb von ungefähr 18 Hz beginnen Wiederholungen für das menschliche Ohr eher die Eigenschaften von Klang anzunehmen; bei 2 Sekunden je Takt ist die Wiederholungsrate 12 Hz. Deshalb funktioniert das Multiplikationsmittel nur bis zu einer bestimmten Geschwindigkeit; oberhalb davon bekommt man einen anderen Effekt, der sogar noch mehr etwas besonderes sein kann. Es ist seltsam, daß Chopin eine Geschwindigkeit gewählt hat, die nahe am Maximalbereich des menschlichen Ohrs für den 12x-Effekt liegt, fast so als ob er gewußt hätte, daß jenseits dieser Übergangsgeschwindigkeit etwas besonderes geschieht. Es ist gut möglich, daß Chopin es mit Geschwindigkeiten oberhalb des kritischen Übergangs gespielt hat. Er mag genügend geschickt gewesen sein, es oberhalb des Übergangs zu spielen, bei dem "Geschwindigkeit" in einen neuen magischen "Klang" umgewandelt wird.

Der langsame mittlere Abschnitt wurde kurz in Abschnitt II.25 beschrieben. Der schnellste Weg ihn zu lernen, ist, wie bei vielen Stücken von Chopin, mit dem Auswendiglernen der LH anzufangen. Das deshalb, weil der Verlauf der Akkorde oftmals der gleiche bleibt, selbst wenn Chopin die RH durch eine ganz neue Melodie ersetzt, da die LH hauptsächlich die Begleitakkorde beisteuert. Beachten Sie, daß das "4,3"-Timing nun durch ein "2,3"-Timing ersetzt wird, das viel langsamer gespielt wird. Es wird für einen anderen Effekt benutzt, um die Musik sanfter zu machen und ein freieres Rubato zuzulassen.

Der dritte Teil ist dem ersten ähnlich, außer am Ende, welches für kleine Hände schwierig ist und eventuell zusätzliche Zirkulierarbeit mit der RH erfordert. In diesem Abschnitt trägt der kleine Finger der RH die Melodie, aber die antwortende Oktavnote des Daumens bereichert die melodische Linie. Das Stück endet mit einer nostalgischen Wiederaufnahme des langsamen Satzthemas in der LH. Unterscheiden Sie die oberste Note dieser LH-Melodie (Gis - im siebten Takt von hinten) deutlich von der gleichen Note, die von der RH gespielt wird, indem Sie sie ein wenig länger halten und sie dann mit dem Pedal aushalten.

Das Gis ist die wichtigste Note in diesem Stück. So ist der sf-Anfang mit der Gis-Oktave nicht nur eine Fanfare, die das Stück einleitet, sondern eine geschickte Art, wie Chopin das Gis in den Kopf der Zuhörer einpflanzt. Deshalb sollten Sie diese Note nicht zu eilig spielen; nehmen Sie sich Zeit, und lassen Sie sie einwirken. Wenn Sie das Stück durchsehen, werden Sie sehen, daß das Gis alle wichtigen Positionen besetzt. Im langsamen Abschnitt ist das Gis ein As, was [bei gleichmäßig temperierter Stimmung] dieselbe Note ist. Dieses Gis ist ein weiteres dieser Mittel, mit denen ein großer Komponist dem Publikum "eins überziehen" kann, ohne daß das Publikum merkt, was ihm geschieht. Dem Klavierspieler hilft das Wissen um das Gis beim Interpretieren und Auswendiglernen des Stücks. So kommt der konzeptionelle Höhepunkt des Stücks am Ende (wie er sollte), wenn beide Hände dasselbe Gis spielen müssen (8. und 7. Takt vom Ende her); deshalb muß das LH-RH-Gis mit äußerster Sorgfalt ausgeführt werden, während man die kontinuierlich ausklingende RH-Gis-Oktave beibehält.

Unsere Analyse führt uns zum Brennpunkt, d.h. zur Frage wie schnell man dieses Stück spielt. Eine hohe Genauigkeit ist erforderlich, um den 12-Noten-Effekt zum Vorschein zu bringen. Wenn man dieses Stück zum ersten Mal lernt, wird die Frequenz von 12 Noten wegen des Mangels an Genauigkeit zunächst nicht zu hören sein. Wenn man es am Ende "packt", hört sich die Musik urplötzlich sehr rege an. Wenn man zu schnell spielt und die Genauigkeit verliert, dann kann man die Verdreifachung verlieren - es verwascht, und das Publikum hört nur die 4 Noten. Anfänger können erreichen, daß sich das Stück schneller anhört, indem sie langsamer werden und die Genauigkeit erhöhen. Obwohl die RH die Melodie trägt, muß die LH deutlich zu hören sein, da sonst sowohl der 12-Noten-Effekt als auch das Moiré-Muster verschwinden. Da dies ein Stück von Chopin ist, ist es nicht erforderlich, daß der 12-Noten-Effekt hörbar ist; diese Komposition ist einer unendlichen Zahl von Interpretationen zugänglich, und manche von Ihnen möchten vielleicht die LH außen vor lassen und sich nur auf die RH konzentrieren und können trotzdem etwas gleich magisches erzeugen.

Ein Vorteil des Zirkulierens ist, daß die Hand fortlaufend spielt, was das fortlaufende Spielen besser simuliert, als wenn man isolierte Abschnitte übt. Es erlaubt Ihnen auch, mit kleinen Änderungen in den Fingerpositionen usw. zu experimentieren, um die optimalen Bedingungen für das Spielen herauszufinden. Der Nachteil ist, daß die Handbewegungen beim Zirkulieren von denen abweichen können, die man beim Spielen des Stücks braucht. Die Arme tendieren dazu, während des Zirkulierens unbeweglich zu sein, während im richtigen Stück die Hände üblicherweise die Tastatur entlang bewegt werden müssen. Deshalb müssen Sie eventuell in den Fällen, in denen der Abschnitt nicht natürlich zirkuliert, das abschnittsweise Üben ebenfalls benutzen. Zirkulieren Sie zunächst, bis Sie zufrieden sind; wechseln Sie dann zum abschnittsweisen Üben. Das abschnittsweise Üben erlaubt Ihnen, die korrekte Verbindung und Handbewegung zu benutzen. Abschnittsweises Üben ist näher an der realen Welt, und Sie können die Abschnitte verbinden, um Ihr Stück zusammenzusetzen.

Die obige Behandlung des Zirkulierens hat es in seiner engsten Definition besprochen. Die weiter gefaßte Definition von Zirkulieren ist jedes Übungsverfahren, das wiederholt oder in Schleifen ausgeführt wird. So kann man den Zyklus zirkulieren, indem man mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten zirkuliert. Zirkulieren Sie schnell, dann schrittweise langsamer, werden Sie wieder schneller und zirkulieren Sie den Langsam-Schnell-Zyklus. Es ist nützlich, viele verschiedene Arten des Zirkulierens zu entwickeln, deshalb werde ich hier ein paar davon anführen (es gibt zu viele, um sie alle aufzulisten; Ihre Vorstellung ist die Grenze):

  1. Zirkulieren Sie die Geschwindigkeit (wie gerade beschrieben).
  2. Es ist nützlich, zwischen HT und HS zu zirkulieren, wenn man das erste Mal mit Passagen zu kämpfen hat, die mit HT schwierig sind.
  3. Ein weiteres nützliches Zirkulieren ist über einen längeren Zeitraum - vielleicht mehrere Wochen. Wenn Sie nach Tagen harter Arbeit einen Zustand abnehmender Gewinnzuwächse erreichen, zahlt es sich oftmals aus, dieses Stück einige Tage oder Wochen beiseite zu legen und dann dazu zurückzukehren, d.h. zwischen hartem Üben und Ruhephasen zu zirkulieren. Diese Ruhephase kann unerwartete Vorteile dadurch haben, daß die notwendige Technik dazu neigt, sich durch die PPI zu verbessern, aber die schlechten Angewohnheiten dazu neigen, schwächer zu werden, weil die meisten schlechten Angewohnheiten aus zu vielen Wiederholungen resultieren.
  4. Zuhören-Üben-Zyklus: nehmen Sie Ihre Übungen auf, hören Sie sich die Aufnahme an, machen Sie Änderungen, nehmen Sie sich wieder auf, und prüfen Sie, ob die Änderungen eine Verbesserung bewirkt haben. Hören Sie besonders aufmerksam nach rhythmischen Fehlern.
  5. Merk-Zyklus: zirkulieren Sie als Teil Ihrer Gedächtnispflege ihre "fertigen" Stücke erneut, wobei Sie zu HS zurückkehren, und lernen Sie Ihre alten Stücke erneut auswendig, nachdem Sie neue Stücke gelernt haben. Warten Sie, bis Sie ein Stück teilweise vergessen haben, und lernen Sie es dann wieder auswendig.
  6. Zirkulieren Sie zwischen leichten und schwierigen Stücken; gehen Sie nicht in die Falle, nur schwierige neue Stücke zu üben. Leichte Stücke zu spielen ist extrem wichtig für das Entwickeln der Technik, insbesondere um Streß zu eliminieren. Am wichtigsten ist, daß diese leichten fertigen Stücke es Ihnen erlauben, das Musik machen zu üben und mit voller Geschwindigkeit zu spielen.

Diese allgemeinen Konzepte des Zirkulierens sind wichtig, weil wie man übt und wie man bestimmte Probleme löst davon abhängt, wie man seine Übungsroutinen zirkuliert. Wenn man z.B. die Frage "Wie lange sollte ich diesen bestimmten Ausschnitt üben?" beantworten möchte, hängt die Antwort davon ab, in welchem Teil von welchem Zyklustyp man sich gerade befindet. Für den obigen Typ (i) mögen es ungefähr 5 Minuten sein; für Typ (ii) ungefähr ein paar Tage und für Typ (iii) vielleicht ein paar Wochen. Für jeden Schüler ist wichtig, daß er so viele dieser Zyklen erzeugt wie möglich, um einer strukturierten Lernprozedur zu folgen, die optimal effizient ist, und zu wissen, welchen Zyklus er benutzen muß, um ein bestimmtes Problem zu lösen.


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